Montag, 28 Juli 2025 14:48

Große Unterschiede beim Medianlohn in Deutschland

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Löhne in Ostdeutschland bleiben 2024 deutlich zurück. Löhne in Ostdeutschland bleiben 2024 deutlich zurück. Foto: Redaktion

Leipzigs Medianlohn für sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte lag im Jahr 2024 bei 3.784 Euro brutto. Das teilte die Agentur für Arbeit Leipzig mit. Der Wert ist zwar gegenüber dem Vorjahr um 243 Euro gestiegen, reicht jedoch nicht aus, um die Stadt aus dem hinteren Bereich der deutschen Großstädte zu heben.

Inhaltsverzeichnis:

München, Erlangen und Ingolstadt an der Spitze

Den höchsten Medianlohn in Deutschland erzielte im Jahr 2024 die Stadt Ingolstadt mit 5.866 Euro. Erlangen folgt mit 5.769 Euro, Wolfsburg mit 5.730 Euro. Erst danach kommen die Metropolen München (5.362 Euro), Stuttgart (5.323 Euro) und Frankfurt am Main (5.202 Euro). Damit liegt Leipzig rund 1.600 Euro unter dem Spitzenwert aus Bayern.

Die Übersicht zeigt auch, dass viele kleine und mittlere Städte in Westdeutschland deutlich besser abschneiden als ostdeutsche Großstädte. Gründe dafür sind unter anderem die dort ansässigen industriellen Kernbetriebe. Diese Struktur fehlt im Osten seit 1990.

Ostdeutsche Städte weit abgeschlagen

Die erste ostdeutsche Stadt in der Einkommensrangliste ist Jena auf Rang 77 mit 4.129 Euro. Es folgen Potsdam (3.968 Euro), Dresden (3.932 Euro) und Leipzig (3.784 Euro) auf Rang 209. Viele ostdeutsche Städte landen damit im unteren Drittel der Tabelle.

Beispielhafte Platzierungen ostdeutscher Städte:

  • Jena: 4.129 Euro (Rang 77)
  • Potsdam: 3.968 Euro (Rang 128)
  • Dresden: 3.932 Euro (Rang 137)
  • Leipzig: 3.784 Euro (Rang 209)
  • Schwerin: 3.591 Euro (Rang 232)
  • Halle/Saale: 3.381 Euro (Rang 272)
  • Chemnitz: 3.331 Euro (Rang 288)
  • Landkreis Leipzig: 3.218 Euro (Rang 371)

Am Tabellenende dominieren ostdeutsche Landkreise, in denen nur wenige umsatzstarke Unternehmen ansässig sind. Schließen dort Produktionsstandorte westdeutscher Konzerne, zieht das oft ganze Regionen wirtschaftlich nach unten.

Unterschiede zwischen Regionen, Geschlechtern und Herkunft

Ein Blick auf die bundesweiten Durchschnittswerte im Median zeigt:

RegionInsgesamt (Euro)Männer (Euro)Frauen (Euro)Deutsche (Euro)Ausländer (Euro)
Bundesrepublik Deutschland 4.013 4.138 3.792 4.177 3.079
Westdeutschland 4.161 4.274 3.960 4.336 3.328
Ostdeutschland 3.539 3.501 3.606 3.617 2.963

Der Medianlohn in Ostdeutschland liegt 622 Euro unter dem Westwert. Besonders stark zeigt sich der Unterschied bei ausländischen Beschäftigten: Im Westen verdienen sie durchschnittlich 3.328 Euro, im Osten nur 2.963 Euro.

Auch innerhalb der Bundesländer bestehen starke Unterschiede:

  • Hamburg (4.527 Euro) ist Spitzenreiter unter den Ländern.
  • Baden-Württemberg (4.356 Euro) und Hessen (4.198 Euro) folgen.
  • Bremen liegt mit 4.157 Euro auf Rang 6, knapp über dem Bundesdurchschnitt.
  • Sachsen-Anhalt (3.487 Euro), Thüringen (3.464 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (3.294 Euro) belegen die letzten Plätze.

Bremer Institut analysiert Verteilung

Paul M. Schröder vom Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) analysiert regelmäßig die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Seine Auswertung zeigt deutlich, wie sehr der Medianlohn von industriellen Strukturen und regionaler Wirtschaftskraft abhängt. Städte mit hoher Industrialisierung, wie Wolfsburg oder Ingolstadt, erzielen Spitzenwerte.

In Ostdeutschland fehlen vielerorts diese industriellen Knotenpunkte, was sich direkt im Lohnniveau widerspiegelt. Dort setzen Landesregierungen auf einzelne „Leuchtturm“-Projekte mit wenigen Großbetrieben, doch flächendeckende Erfolge bleiben bisher aus.

Keine schnelle Annäherung in Sicht

Leipzig bleibt trotz Lohnzuwachs weit hinter westdeutschen Großstädten zurück. Auch die meisten anderen Städte in Ostdeutschland zeigen ähnliche Tendenzen. Die Einkommensunterschiede zwischen Regionen, Geschlechtern und Nationalitäten bleiben bestehen. Eine Annäherung auf breiter Front ist auch im Jahr 2024 nicht erkennbar.

Quelle: Leipziger Zeitung, www.extratimeout.com/de