Freitag, 21 November 2025 16:53

Leipziger Juristische Fakultät unter Druck nach anonymem Flugblatt

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Spannungen und Vorwürfe an der Leipziger Juristischen Fakultät. Spannungen und Vorwürfe an der Leipziger Juristischen Fakultät. Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Ein anonymes Flugblatt hat die Juristische Fakultät der Universität Leipzig in Aufruhr versetzt. Unter dem Titel „Die Fakultäts-Chroniken“ erhebt es schwere Vorwürfe gegen zwei Hochschulangehörige. Die Anschuldigungen reichen von frauenfeindlichen Äußerungen bis hin zu grenzüberschreitender Kommunikation mit Studentinnen. Die Universität prüft derzeit mögliche Verstöße gegen Dienstpflichten.

Inhaltsverzeichnis:

Tim Drygala und soziale Medien

Einer der im Flugblatt genannten Personen ist Professor Tim Drygala, Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht. Er geriet in die Kritik, nachdem er auf der Plattform „X“ (vormals Twitter) einen Beitrag veröffentlichte, in dem er ein Foto von Linken-Chefin Heidi Reichinnek als „Erinnerung“ an seine klemmende Kühlschranktür nutzte. Nach öffentlicher Empörung und einer Anzeige durch Reichinnek wurde der Post gelöscht. Das Flugblatt verweist außerdem auf weitere Online-Äußerungen des Professors, in denen er sich angeblich abwertend über Politikerinnen geäußert haben soll.

Die Universität Leipzig erklärte in einem offiziellen Statement, dass private Beiträge auf persönlichen Accounts nicht von der Hochschule bewertet oder verhindert werden könnten. Erst bei Verletzung von Dienstpflichten greife das Beamtenrecht, wie Sprecher Carsten Heckmann betonte. Auch Rektorin Eva Inés Obergfell habe Drygala zu einem Gespräch eingeladen.

Drygala selbst weist alle Anschuldigungen zurück. Beschwerden aus Lehrveranstaltungen habe es nach eigenen Angaben nie gegeben. Er betonte, dass jeder selbst für sein Sicherheitsgefühl verantwortlich sei. Mehr zur universitären Situation in Leipzig und laufenden Diskussionen finden Sie hier.

Grenzüberschreitende Nachrichten eines Ex-Mitarbeiters

Ein weiterer Fall betrifft einen inzwischen ausgeschiedenen wissenschaftlichen Mitarbeiter derselben Fakultät. Er soll Studentinnen anzügliche und grenzüberschreitende Nachrichten geschickt haben. Laut Flugblatt reichen die Vorwürfe von sexueller Belästigung bis zu Machtmissbrauch, jedoch ohne körperliche Übergriffe.

Dem MDR liegen offenbar authentische Screenshots vor, die diese Anschuldigungen stützen. Auch die Fachschaft Jura bezeichnete die Vorwürfe als glaubwürdig. Der betroffene Ex-Mitarbeiter reagierte bislang nicht auf Presseanfragen.

Die Universität Leipzig erklärte, dass aufgrund von Opferschutz und Wahrung der Anonymität kein öffentliches Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Nach Informationen aus Universitätskreisen wurde der befristete Arbeitsvertrag des Mitarbeiters im Sommer einvernehmlich beendet. So konnte ein längeres Verfahren vermieden werden. Ein formales Disziplinarverfahren hätte laut Uni-Sprecher vermutlich zum selben Ergebnis geführt. Eine Übersicht weiterer Vorfälle an Leipziger Hochschulen finden Sie mehr hier.

Reaktion der Universität Leipzig

Die Universitätsleitung weist den Vorwurf eines systemischen Problems entschieden zurück. Sexismus, Machtmissbrauch und diskriminierende Äußerungen werden laut Heckmann sehr ernst genommen. Fälle würden sorgfältig innerhalb der rechtlichen Grenzen geprüft.

Mehrere Maßnahmen seien bereits umgesetzt:

  1. Ernennung einer Beauftragten für Fälle von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung
  2. Entwicklung eines „niedrigschwelligen Konzepts“ zur Ansprache Betroffener
  3. Einrichtung anonymer Beratungsangebote mit psychologischer und juristischer Unterstützung

Parallel dazu hat die Fachschaft Jura ein anonymes Meinungsbild unter Studierenden eingeholt. Die Ergebnisse sollen dem Dekanat in Form eines offenen Briefes übergeben werden. Ähnliche Initiativen gegen strukturelle Probleme im Hochschulbereich wurden auch in anderen sächsischen Einrichtungen beobachtet, etwa im Zusammenhang mit dem Fall Jürgen Kasek.

Auswirkungen auf das Klima an der Fakultät

Die Diskussion über den Umgang mit den Vorwürfen spaltet die Fakultät. Während einige Studierende die Maßnahmen der Universität als ausreichend ansehen, fordern andere eine offenere Kommunikation und mehr Transparenz im Umgang mit Machtstrukturen.

Zahlreiche Dozierende äußern die Sorge, dass das Vertrauen zwischen Lehrenden und Studierenden nachhaltig beschädigt sein könnte. Die anonymen Flugblätter, die in Hörsälen und Gängen verteilt wurden, haben die Atmosphäre zusätzlich aufgeheizt.

Ob die internen Maßnahmen langfristig Wirkung zeigen, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht, dass die Universität Leipzig derzeit intensiv an ihrer Vertrauenskultur arbeitet, um die Vorwürfe vollständig aufzuklären und ähnliche Fälle künftig zu verhindern.

Weitere aktuelle Themen aus der Stadt finden Sie im Überblick unter Leipzig-News.

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Quelle: MDR