Freitag, 22 August 2025 11:32

Weißenfels trauert um Opfer eines mutmaßlichen Femizids

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Gedenken an die 47-jährige Frau auf dem Marktplatz in Weißenfels Gedenken an die 47-jährige Frau auf dem Marktplatz in Weißenfels Foto: Pixabay

Die Ermittlungen im Fall des mutmaßlichen Femizids in Weißenfels haben neue Erkenntnisse gebracht. Die 47-jährige Frau starb an Multi-Organversagen infolge schwerer Verletzungen. Am Freitag will die Stadt auf dem Marktplatz mit einer Gedenkveranstaltung an sie erinnern. Der Fall gilt als dritter Femizid in Sachsen-Anhalt im Jahr 2025.

Inhaltsverzeichnis:

Todesursache nach Obduktion bestätigt

Laut Staatsanwaltschaft Halle hat die Obduktion ergeben, dass die Frau an Versagen mehrerer Organe gestorben ist. Die Ursache waren Verbrennungen, die durch eine brennbare Flüssigkeit verursacht wurden. Nach ersten Ermittlungen soll ihr 44-jähriger Partner sie übergossen und angezündet haben. Ihre Kleidung fing sofort Feuer.

Die Verletzungen betrafen vor allem den Oberkörper. Die Frau galt als lebensgefährlich verletzt. Zunächst hatte sich ihr Zustand etwas stabilisiert. Doch am 15. August erlag sie im Krankenhaus den schweren Verletzungen. Sie konnte vor ihrem Tod nicht mehr vernommen werden.

Partner aus Polen in Untersuchungshaft

Der 44-jährige Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Er hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das mögliche Motiv bleibt offen. Nach Polizeiangaben ging der Tat am 9. August ein lautstarker Streit voraus. Sowohl das Opfer als auch der Verdächtige stammen aus Polen.

Die Ermittler prüfen derzeit weitere Hintergründe. Unklar ist, ob es in der Vergangenheit bereits Anzeigen wegen Gewalt gegeben hat. Offiziell bestätigte Hinweise dazu liegen bisher nicht vor.

Gedenken in Weißenfels geplant

Die Stadt Weißenfels organisiert eine öffentliche Trauerveranstaltung. Am Freitag um 13 Uhr soll auf dem Marktplatz vor dem Rathaus der Opfer gedacht werden. Initiiert wird die Aktion vom Frauenhaus Weißenfels und von Gleichstellungsbeauftragten der Stadt.

Ein besonderes Symbol wird dabei die Rote Bank vor dem Rathaus sein. Diese ist Teil der internationalen Initiative „La Panchina Rossa“ und steht weltweit für den Einsatz gegen Gewalt an Frauen. Weißenfels will mit der Veranstaltung ein klares Zeichen setzen.

Ablauf der Gedenkfeier

  • Beginn: Freitag, 22. August, 13 Uhr
  • Ort: Marktplatz vor dem Rathaus Weißenfels
  • Symbol: Rote Bank „La Panchina Rossa“
  • Veranstalter: Frauenhaus Weißenfels, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt

Dritter Femizid in Sachsen-Anhalt 2025

Nach Angaben des Landesfrauenrates handelt es sich um den dritten Femizid in diesem Jahr im Land. Die Vorsitzende Michelle Angeli forderte umfassende Aufklärung und entschlossenes Handeln der Justiz. Auch Gleichstellungsbeauftragte Katja Henze aus Weißenfels wies auf die Bedeutung einer sensiblen Sprache in den Medien hin. Begriffe wie „Drama“ oder „Tragödie“ würden die Gewalt verharmlosen.

Zahlen der Landespolizei zeigen, dass es im Jahr 2024 in Sachsen-Anhalt rund 8.400 Fälle häuslicher Gewalt gab. Über 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Viele Taten werden nicht angezeigt. Das deutsche Strafrecht kennt den Begriff „Femizid“ bislang nicht als eigenen Tatbestand, anders als etwa in Spanien oder Mexiko.

Der Landesfrauenrat warnt seit Jahren vor einem strukturellen Problem von häuslicher Gewalt und fordert politische Maßnahmen. Fälle wie der in Weißenfels verdeutlichen, dass die Gefahr besonders hoch ist, wenn Frauen versuchen, gewalttätige Beziehungen zu verlassen.

Quelle: MDR