Dienstag, 22 September 2026 17:22

Hotel renovieren bei laufendem Betrieb ohne Gästefrust

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Drei Monate schließen, alles auf einmal erneuern und mit neuen Fotos wieder aufmachen – das wäre die einfachste Variante. Für die meisten Häuser ist sie unbezahlbar. Ein Hotel, das drei Monate keine Zimmer verkauft, verliert nicht nur den Umsatz dieser Zeit, sondern auch Stammgäste, Sichtbarkeit auf den Buchungsportalen und ein eingespieltes Team. Deshalb läuft die Renovierung bei laufendem Betrieb in der Praxis fast immer in Etappen. Das funktioniert erstaunlich gut, solange man drei Dinge im Griff hat: was die Gäste sehen, was sie hören und was sie zum Frühstück bekommen.

Bauabschnitte so schneiden, dass sie niemand bemerkt

Der wichtigste Schritt passiert lange vor dem ersten Presslufthammer. Wer das Haus etagenweise oder flügelweise renoviert, kann die Baustelle vom Gästebereich trennen – räumlich, aber auch akustisch. Bewährt hat sich, den Bauabschnitt komplett zu sperren, statt einzelne Zimmer dazwischen zu belegen. Laute Arbeiten gehören in ein festes Zeitfenster, meist zwischen zehn und sechzehn Uhr, wenn die meisten Gäste unterwegs sind. Und wer Belegungsdaten aus den Vorjahren hat, legt die lautesten Wochen in die schwächste Saison.

Modernisierte Hotelrezeption mit Gästen und Mitarbeitern während einer Renovierung bei laufendem Betrieb

Frühstück und Bar im Provisorium – ohne dass es so wirkt

Oft trifft der Umbau die Küche, den Frühstücksraum oder die Lobbybar, also genau die Bereiche, in denen Gäste den Service am direktesten erleben. Ein Provisorium im Seminarraum oder auf der Terrasse ist kein Problem, wenn es aufgeräumt aussieht und ohne lange Wege funktioniert.

Bei Getränken lohnt es sich, in dieser Phase auf Konzentrat umzustellen. Der Grund ist banal: Kein Lieferant muss mit Flaschenkisten durch die Baustelle, es fällt kaum Leergut an, und der Platzbedarf im Provisorium schrumpft auf einen Bruchteil. Wie sich der Frühstücksservice damit neu organisieren lässt, zeigt ein Praxisbeispiel zum Thema Getränkekonzentrat Hotel, bei dem die Ausgabe von Säften und Softdrinks vollständig auf Konzentrat umgestellt wurde.

Am Buffet selbst übernimmt ein Sirup Getränke Automat die Ausgabe von Saft, Eistee und Limonade auf Knopfdruck. Gäste bedienen sich selbst, das Personal füllt nur noch Konzentrat nach, und die Kühlung für Dutzende Flaschen entfällt. Nach dem Umbau bleibt das System meist stehen – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sich niemand die Kistenlogistik zurückwünscht.

Lieferverkehr steuern, ohne Garten und Parkplatz zu ruinieren

Eine Hotelbaustelle hat ein Problem, das Neubauten nicht kennen: Der Weg zum Bauabschnitt führt meist über Flächen, die eigentlich den Gästen gehören – den Parkplatz, die Rasenfläche hinter dem Pool, den Zugang zur Terrasse. Ein Kran oder ein beladener Lkw hinterlässt auf feuchtem Rasen innerhalb eines Tages Spuren, die den ganzen Sommer sichtbar bleiben. Wer die Baustellenzufahrt mit Fahrplatten auslegt, kann den Lieferverkehr über die Grünfläche führen, ohne sie zu zerstören, und nach dem letzten Bauabschnitt liegt der Rasen noch da, wo er hingehört. Der zweite Vorteil: Die Zufahrt zur Baustelle lässt sich vom Gästeeingang trennen, sodass Handwerker und Gäste sich nicht ständig begegnen.

Dazu gehört ein fester Lieferplan. Anlieferungen kommen vor dem Frühstück oder in der Mittagszeit, nie während der Check-in-Welle am Nachmittag. Und wer den Bauleiter bittet, Materiallager nicht in Sichtweite der Terrasse anzulegen, erspart sich einige Bewertungen mit dem Wort „Baustelle“ im Titel.

Gäste vorher informieren, nicht hinterher entschuldigen

Nichts verärgert mehr als eine Baustelle, von der man erst an der Rezeption erfährt. Wer bei der Buchung, in der Bestätigungsmail und auf der Website offen sagt, was wann umgebaut wird, bekommt fast immer Verständnis – vor allem, wenn ein kleiner Nachlass oder ein Upgrade dazukommt. Gäste, die informiert waren, schreiben in Bewertungen erstaunlich oft, dass sie von den Arbeiten kaum etwas mitbekommen haben. Gäste, die überrascht wurden, schreiben das Gegenteil.

Das Team ist der Puffer

Housekeeping, Rezeption und Service fangen in dieser Zeit alles ab, was schiefgeht. Sie brauchen den Bauzeitenplan, eine klare Antwort auf die häufigsten Gästefragen und die Erlaubnis, bei Beschwerden selbst zu entscheiden – ein Getränk aufs Haus, ein Zimmerwechsel, ein späterer Check-out. Ein kurzes tägliches Briefing zwischen Bauleitung und Hotelleitung erspart viele Missverständnisse.

Wenn der Staub weg ist

Der Umbau endet nicht mit der Abnahme, sondern mit neuen Fotos, aktualisierten Texten auf den Portalen und einer Nachricht an die Gäste, die die Bauphase ausgehalten haben. Sie sind die Ersten, die die neuen Zimmer sehen sollten – und meistens auch diejenigen, die die besten Bewertungen schreiben.

Eine Renovierung bei laufendem Betrieb ist anstrengend, aber sie ist keine Lotterie. Wer die Bauabschnitte sauber trennt, den Service im Provisorium so einfach wie möglich hält und den Lieferverkehr vom Gästebereich fernhält, kommt durch die Bauphase, ohne dass die Bewertungen darunter leiden. Das Haus ist danach nicht nur renoviert, sondern war die ganze Zeit über belegt.